Um das Angebot dieser Webseite optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet diese Webseite Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Okay

HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

 

BAG, Be­schluss vom 22.10.2019, 1 ABR 13/18

   
Schlagworte: Betriebsrat, Betriebsrat: Anhörung, Betriebsverfassungsgesetz, Einstellung: Mitbestimmung, Einstellung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Aktenzeichen: 1 ABR 13/18
Typ: Beschluss
Entscheidungsdatum: 22.10.2019
   
Leitsätze:
Vorinstanzen: Arbeitsgericht Hannover, Beschluss vom 07.09.2017, 4 BV 6/17,
Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Beschluss vom 13.02.2018, 11 TaBV 91/17
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 13/18
11 TaBV 91/17
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Nie­der­sach­sen

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
22. Ok­to­ber 2019

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

 

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­ler, Be­schwer­deführer und Rechts­be­schwer­deführer,

2.

 

 

hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 22. Ok­to­ber 2019 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt K. Schmidt und Dr. Ah­rendt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Kle­be und Prof. Dr. Ro­se für Recht er­kannt:

Auf die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nie­der­sach­sen vom 13. Fe­bru­ar 2018 - 11 TaBV 91/17 - auf­ge­ho­ben.


 

- 2 -

Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Han­no­ver vom 7. Sep­tem­ber 2017 - 4 BV 6/17 - ab­geändert.

Der Ar­beit­ge­be­rin wird auf­ge­ge­ben, die Ein­stel­lung des Ar­beit­neh­mers D im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin in H auf­zu­he­ben, so­lan­ge die Zu­stim­mung zu sei­ner Ein­stel­lung nicht vom Be­triebs­rat er­teilt oder im Fall der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ar­beits­ge­richt­lich er­setzt wur­de.

 

Von Rechts we­gen!

 

Gründe

 

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Auf­he­bung ei­ner per­so­nel­len Maßnah­me.

Die Ar­beit­ge­be­rin, die ins­ge­samt rund 3.750 Mit­ar­bei­ter beschäftigt, er­bringt in ih­ren drei Be­trie­ben IT-Dienst­leis­tun­gen für die Spar­kas­sen-Fi­nanz­bran­che. Es ist ein Ge­samt­be­triebs­rat er­rich­tet.

2

Zum 1. April 2017 stell­te die Ar­beit­ge­be­rin den Ar­beit­neh­mer D als Lei­ter für den Geschäfts­be­reich „End-2-End-Ser­vices“ im Be­reich Pro­duk­ti­on Group­ware ein. Nach Nr. 1.1 sei­nes Ar­beits­ver­trags ist der Dienst­ort von Herr D in M.

3

Herr D hat Per­so­nal­ver­ant­wor­tung in fach­li­cher und dis­zi­pli­na­ri­scher Hin­sicht so­wohl für in M täti­ge Ar­beit­neh­mer als auch für zunächst ei­nen, später zwei in H täti­ge Mit­ar­bei­ter im Be­reich Pro­duk­ti­on Group­ware. Die­sen sind je­weils zehn bis 20 Ar­beit­neh­mer un­ter­stellt. Sei­ne Auf­ga­ben nimmt Herr D ta­ge­wei­se in M und in H wahr, wo­bei er le­dig­lich in M über ein ei­ge­nes Büro verfügt.

 

- 3 -

4

Der für den Be­trieb M ge­bil­de­te Be­triebs­rat stimm­te der Ein­stel­lung von Herrn D zu. Den für den Be­trieb H ge­bil­de­ten Be­triebs­rat be­tei­lig­te die Ar­beit­ge­be­rin nicht.

5

Die­ser hat gel­tend ge­macht, die Ar­beit­ge­be­rin hätte auch sei­ne Zu­stim­mung nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ein­ho­len müssen. Herr D sei durch die Über­tra­gung von Per­so­nal­ver­ant­wor­tung ge­genüber den im Be­trieb H be­schäftig­ten Ar­beit­neh­mern auch in die­sen ein­ge­stellt wor­den.

6

Der Be­triebs­rat hat sinn­gemäß be­an­tragt,

der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, die Ein­stel­lung des Ar­beit­neh­mers D im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin in H auf­zu­he­ben, so­lan­ge die Zu­stim­mung zu sei­ner Ein­stel­lung nicht vom Be­triebs­rat er­teilt oder im Fall der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung ar­beits­ge­richt­lich er­setzt wur­de.

7

Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt, den An­trag ab­zu­wei­sen. Sie hat die An­sicht ver­tre­ten, ei­ne Ein­glie­de­rung von Herr D in den Be­trieb H lie­ge nicht vor. Zu­min­dest sei bei ei­ner Ein­stel­lung von Herrn D in zwei Be­trie­ben der Ge­samt­be­triebs­rat für die Wahr­neh­mung des Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 99 Abs. 1 Be­trVG zuständig.

8

Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag des Be­triebs­rats ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Be­schwer­de zurück­ge­wie­sen. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt der Be­triebs­rat sein Be­geh­ren wei­ter.

9

B. Die Rechts­be­schwer­de hat Er­folg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­schwer­de des Be­triebs­rats zu Un­recht zurück­ge­wie­sen. Der Auf­he­bungs­an­trag ist be­gründet.

10

I. Ne­ben dem an­trag­stel­len­den Be­triebs­rat und der Ar­beit­ge­be­rin sind kei­ne wei­te­ren Per­so­nen oder Stel­len am Ver­fah­ren zu be­tei­li­gen. Ei­ne Be­tei­li­gung des bei der Ar­beit­ge­be­rin ge­bil­de­ten Ge­samt­be­triebs­rats kommt nicht in Be­tracht. Der Ge­samt­be­triebs­rat ist durch die be­gehr­te Ent­schei­dung nicht un­mit­tel­bar in sei­ner be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­stel­lung be­trof­fen (vgl. zu den An­for­de­run­gen an ei­ne Be­tei­li­gung et­wa BAG 20. Au­gust 2014 - 7 ABR

 

- 4 -

60/12 - Rn. 17 mwN). Ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin kommt er für die Ausübung des Zu­stim­mungs­rechts nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG bei der Ein­stel­lung ei­nes Ar­beit­neh­mers und da­mit als In­ha­ber ei­nes An­spruchs auf Auf­he­bung die­ser Maßnah­me nach § 101 Satz 1 Be­trVG ma­te­ri­ell-recht­lich nicht ernst­haft in Be­tracht (vgl. zu die­sem Er­for­der­nis zB BAG 21. Ju­li 2009 - 1 ABR 42/08 - Rn. 9, BA­GE 131, 225). Dem Ge­samt­be­triebs­rat kann nach § 50 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG nur die Be­hand­lung sol­cher An­ge­le­gen­hei­ten zu­ge­wie­sen sein, die das Ge­samt­un­ter­neh­men oder meh­re­re Be­trie­be be­tref­fen. Ei­ne et­wai­ge Ein­stel­lung von Herrn D in den Be­trieb H be­trifft je­doch nicht meh­re­re Be­trie­be, son­dern nur die­sen Be­trieb. Für die Ausübung des da­durch aus­gelösten Zu­stim­mungs­rechts nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ist der Be­triebs­rat des auf­neh­men­den Be­triebs zuständig; er hat für die Wahr­neh­mung der In­ter­es­sen sei­ner Be­leg­schaft Sor­ge zu tra­gen. So­weit Herr D gleich­zei­tig auch in den Be­trieb in M ein­ge­stellt wur­de, ob­liegt die Wahr­neh­mung des da­durch be­gründe­ten Zu­stim­mungs­rechts dem dor­ti­gen Be­triebs­rat (ausf. da­zu BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 35). Ent­ge­gen der An­sicht der Ar­beit­ge­be­rin han­delt es sich in die­sem Fall - an­ders als bei ei­ner Kündi­gung - nicht um ei­ne, son­dern um zwei un­ter­schied­li­che zu­stim­mungs­pflich­ti­ge Maßnah­men (vgl. schon BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 35).

11

II. Der An­trag des Be­triebs­rats ist be­gründet. Die Ar­beit­ge­be­rin ist nach § 101 Satz 1 Be­trVG ver­pflich­tet, die Ein­stel­lung des Herrn D in den Be­trieb H auf­zu­he­ben, da sie oh­ne Zu­stim­mung des an­trag­stel­len­den Be­triebs­rats er­folgt ist.

12

1. Nach § 101 Satz 1 Be­trVG kann der Be­triebs­rat beim Ar­beits­ge­richt be­an­tra­gen, dem Ar­beit­ge­ber auf­zu­ge­ben, ei­ne per­so­nel­le Maßnah­me iSv. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG auf­zu­he­ben, wenn die­ser die Maßnah­me oh­ne sei­ne Zu­stim­mung durchführt. Der Auf­he­bungs­an­trag dient der Be­sei­ti­gung ei­nes be­triebs­ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zu­stands, der da­durch ein­ge­tre­ten ist, dass der Ar­beit­ge­ber ei­ne kon­kre­te per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­me oh­ne die er­for­der­li­che Zu­stim­mung des Be­triebs­rats durchführt oder auf­recht­erhält. Mit der Rechts­kraft ei­nes dem An­trag nach § 101 Satz 1 Be­trVG statt­ge­ben­den Be­schlus­ses wird

 

- 5 -

der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, den be­triebs­ver­fas­sungs­wid­ri­gen Zu­stand durch Auf­he­bung der per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me mit Wir­kung für die Zu­kunft zu be­sei­ti­gen (vgl. BAG 25. April 2018 - 7 ABR 30/16 - Rn. 21 mwN).

13

2. Die Ar­beit­ge­be­rin hat den Ar­beit­neh­mer D in den Be­trieb H ein­ge­stellt, oh­ne dass der dort ge­bil­de­te Be­triebs­rat dem nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG zu­ge­stimmt hat.

14

a) Nach § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG hat der Ar­beit­ge­ber in Un­ter­neh­men mit mehr als 20 wahl­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mern den Be­triebs­rat vor je­der Ein­stel­lung zu un­ter­rich­ten und des­sen Zu­stim­mung zu be­an­tra­gen. Ei­ne Ein­s­tel­lung iSd. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG liegt nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor, wenn ei­ne Per­son in den Be­trieb ein­ge­glie­dert wird, um zu­sam­men mit den dort schon beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern des­sen ar­beits­tech­ni­schen Zweck durch wei­sungs­ge­bun­de­ne Tätig­keit zu ver­wirk­li­chen. Die für ei­ne Ein­stel­lung er­for­der­li­che Ein­glie­de­rung in die Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on er­for­dert nicht, dass der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­bei­ten auf dem Be­triebs­gelände oder in­ner­halb der Be­triebsräume ver­rich­tet. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob der Ar­beit­ge­ber mit Hil­fe des Ar­beit­neh­mers den ar­beits­tech­ni­schen Zweck des je­wei­li­gen Be­triebs ver­folgt (BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 16 mwN). Un­er­heb­lich für die An­nah­me ei­ner Ein­glie­de­rung ist zu­dem, wie häufig die zur Ver­wirk­li­chung des Be­triebs­zwecks durch­geführ­ten Tätig­kei­ten er­fol­gen oder wie­viel Zeit sie in An­spruch neh­men (BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 23 mwN).

15

b) Bei der Be­ur­tei­lung, ob ein Beschäftig­ter in ei­nen Be­trieb ein­ge­glie­dert ist, steht dem Be­schwer­de­ge­richt ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu. Des­sen Würdi­gung ist in der Rechts­be­schwer­de­instanz nur dar­auf­hin über­prüfbar, ob das Ge­richt den Rechts­be­griff selbst ver­kannt, ge­gen Denk­ge­set­ze, an­er­kann­te Aus­le­gungs- und Er­fah­rungssätze ver­s­toßen oder we­sent­li­che Umstände außer Acht ge­las­sen hat (BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 17 mwN).

 

- 6 -

16

c) Die­sem - ein­ge­schränk­ten - Prüfungs­maßstab hält die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung nicht stand.

17

aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat - zu­sam­men­ge­fasst - an­ge­nom­men, Herr D sei nicht in den Be­trieb H ein­ge­glie­dert. Die Ab­wick­lung sei­ner ver­trag­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten er­fol­ge in M. Zu­dem sei nicht er­kenn­bar, dass er dem Wei­sungs­recht des Lei­ters des Be­triebs in H in der­sel­ben Wei­se un­ter­lie­ge, wie al­le an­de­ren dort täti­gen Ar­beit­neh­mer. Auch ein fes­tes Büro oder fes­te Präsenz­zei­ten in die­sem Be­trieb bestünden für Herrn D nicht. Bei ei­ner An­we­sen­heit in ei­nem der bei­den Be­trie­be könne er mit den Mit­ar­bei­tern des je­weils an­de­ren Be­triebs auf elek­tro­ni­schem Weg kom­mu­ni­zie­ren.

18

bb) Da­mit hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt den Rechts­be­griff der Ein­glie­de­rung iSv. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG ver­kannt. Für die­sen kommt es we­der da­rauf an, wo die „ver­trag­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten“ des Ar­beit­neh­mers „ab­ge­wi­ckelt“ wer­den, noch muss der be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer ei­ner - wie auch im­mer ge­ar­te­ten - Bin­dung an Wei­sun­gen ei­ner im Be­trieb täti­gen „Führungs­kraft“ un­ter­lie­gen (vgl. zu Letz­te­rem schon BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 23). Zu­dem setzt die für ei­ne Ein­stel­lung iSv. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG not­wen­di­ge Ein­glie­de­rung in die Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on nicht vor­aus, dass der Ar­beit­neh­mer sei­ne Ar­bei­ten zu be­stimm­ten Zei­ten im Be­trieb ver­rich­ten muss oder dort über ein ei­ge­nes Büro verfügt.

19

d) Der Se­nat kann auf der Grund­la­ge der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen über den gel­tend ge­mach­ten An­spruch nach § 101 Satz 1 Be­trVG selbst ent­schei­den (§ 563 Abs. 3 ZPO). Ei­ner Zurück­ver­wei­sung be­darf es nicht. Durch die Über­tra­gung der Per­so­nal­ver­ant­wor­tung ge­genüber den im Be­trieb H täti­gen Ar­beit­neh­mern wur­de Herr D auch in die­sen Be­trieb ein­ge­stellt iSv. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG.

20

aa) Herr D ist auf­grund sei­ner Funk­ti­on ei­nes Lei­ters für den Geschäfts­be­reich „End-2-End-Ser­vices“ im Be­reich Pro­duk­ti­on Group­ware zwei Ar­beit­neh­mern im Be­trieb H fach­lich und dis­zi­pli­na­risch wei­sungs­be­fugt und kann da­mit - mit­tel­bar - auch auf die Ar­beits­abläufe oder -in­hal­te der die­sen je­weils un-

 

- 7 -

ter­stell­ten und in H täti­gen wei­te­ren Ar­beit­neh­mern die­ses Be­reichs Ein­fluss neh­men. Da­mit ist er in die dort zu erfüllen­den Ar­beits­pro­zes­se ein­ge­bun­den. Den ihm ob­lie­gen­den Auf­ga­ben als Be­reichs­lei­ter kann er nur in re­gelmäßiger Zu­sam­men­ar­beit mit den bei­den Ar­beit­neh­mern in H nach­kom­men. Bei sei­ner Tätig­keit ist er auf­grund des mit der Ar­beit­ge­be­rin ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags auch wei­sungs­ge­bun­den tätig. Zu­dem ver­wirk­licht er mit der Wahr­neh­mung sei­ner Führungs­auf­ga­ben ge­genüber den in H täti­gen Ar­beit­neh­mern den auf die Er­brin­gung von IT-Dienst­leis­tun­gen für die Spar­kas­sen-Fi­nanz­bran­che ge­rich­te­ten ar­beits­tech­ni­schen Zweck des Be­triebs H.

21

bb) Der Um­stand, dass Herr D (auch) in den Be­trieb M ein­ge­glie­dert ist, steht der An­nah­me, er wer­de durch die Wahr­neh­mung von Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on in den Be­trieb H ein­ge­glie­dert, nicht ent­ge­gen. Dem Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz lässt sich nicht ent­neh­men, dass ei­ne Ein­stel­lung iSv. § 99 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG nicht gleich­zei­tig in meh­re­ren Be­trie­ben möglich sein kann (vgl. BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 24).

22

cc) Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung der Ar­beit­ge­be­rin führt das vor­lie­gen­de Er­geb­nis auch we­der zu ei­ner „Aus­wei­tung“ des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stands nach § 99 Abs. 1 Be­trVG noch zu ei­ner da­mit ein­her­ge­hen­den „Ein­schränkung“ der von Art. 12 GG geschütz­ten un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dungs­frei­heit. Das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats bei der Ein­stel­lung dient vor­nehm­lich den In­ter­es­sen der schon im Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer. Der Be­triebs­rat soll die Möglich­keit ha­ben, de­ren Be­lan­ge nach Maßga­be mögli­cher Zu-stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe iSv. § 99 Abs. 2 Be­trVG ge­gen die be­ab­sich­tig­te Ein­stel­lung gel­tend zu ma­chen. Die­se In­ter­es­sen können - na­ment­lich in Form des Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­grun­des nach § 99 Abs. 2 Nr. 6 Be­trVG - auch bei der Zu­wei­sung von Vor­ge­setz­ten­funk­tio­nen an bis­lang be­triebs­frem­de Ar­beit­neh­mer berührt sein (vgl. schon BAG 12. Ju­ni 2019 - 1 ABR 5/18 - Rn. 25 mwN). Die Ar­beit­ge­be­rin ver­kennt, dass die Si­tua­ti­on, die sich nach ei­ner form- und frist­ge­recht ver­wei­ger­ten Zu­stim­mung ei­nes der in die­sen

 

- 8 -

Fällen zu be­tei­li­gen­den Be­triebsräte er­gibt, der auch an­sons­ten im Rah­men von §§ 99, 100 Be­trVG be­ste­hen­den Rechts­la­ge ent­spricht.

23

 

Schmidt

K. Schmidt

Ah­rendt 

Kle­be 

Ro­se

Weitere Auskünfte erteilen Ihnen gern:

Dr. Martin Hensche
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Kontakt:
030 / 26 39 620
hensche@hensche.de
Christoph Hildebrandt
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Kontakt:
030 / 26 39 620
hildebrandt@hensche.de
Nina Wesemann
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Kontakt:
040 / 69 20 68 04
wesemann@hensche.de

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 ABR 13/18